Umgeben von Wasser und doch nix zu trinken – die Brunnen von Venedig

Nix für Mensch und Tier – Brackiges Wasser

„Venedig ist zwar im Wasser, hat aber selber keines“ So das Zitat eines Reisenden.
Das Wasser in der Lagune von Venedig ist zwar kein Meereswasser aber auch kein Süßwasser.
Sondern es ist eine Mischung aus Salz- und Süßwasser.
In der Lagune von Venedig mischt sich das Wasser aus den Flüssen Adige (Etsch), der Piave und der Brenta mit dem Wasser der Adria.
Dabei entsteht Brackwasser. Brackwasser enthält immer noch zu viel Salz, um für Menschen und Tiere trinkbar zu sein.
Um die Verlandung der Lagune zu verhindern, wurden ab die Mittelalter die Zuleitung der Flüsse reguliert.

Brunnen – Lebensader der Stadt Venedig

In Venedig werdet ihr nicht viele Brunnen wie zum Beispiel in Rom finden. Ich meine großartige Springbrunnen mit Wasserspielen oder Fontänen.
Statt dessen gibt es auf vielen Campi (Plätzen) und Höfen recht bescheiden anmutende Brunnen, aus denen früher das Wasser geschöpft werden konnte. Heute sind sie meist durch Gitter gesichert.
„Diese Vere da Pozzo“ sind aber keine Brunnen im üblichen Sinne. Hinter ihnen steckt ein ausgeklügeltes System.
Für einen Brunnen, wie wir ihn kennen wird in der Regel ein Schacht so weit ins Erdreich getrieben, bis er auf die Grundwasser führenden Schichten trifft.
Wegen des salzigen Oberflächenwassers, das die Stadt umgibt und durch sie hindurch fließt, funktioniert diese Technik in Venedig nicht.
Bei Grabungen dort trifft man zuerst auf Schichten mit Salzwasser, bevor man dann auf die Erdschichten mit Grundwasser stoßen würde.
Wenn du schon einmal am Strand eine Sandburg gebaut hast, dann ist dir das Problem bekannt.  Gräbst du im Sand ein Loch, dann wird der Sand zuerst feucht. Gräbst du weiter, sammelt ich in der Vertiefung Wasser. Das Wasser ist aber Salzwasser, das durch den Sand des Strandes hindurch diffundiert.

Vere de Pozzo – Zisternen

Doch die findigen Venezianer  hatten auch dafür einen Lösung parat. Zum Sammeln von Regenwasser legten sie Zisternen an.
Privat in Häusern oder auf öffentlichen Plätzen.
In den Privathäusern wurden die Zisternen mit dem Wasser von den Dächern gefüllt und auf den Plätzen sammelte man das Wasser von der Strasse. Diese Zisternen ließ die Stadt für ihre Bewohner anlegen.
Dazu wurde zuerst auf dem Campo eine große Grube ausgehoben. Diese Grube wurde dann mit einer Lehmschicht abgedichtet. Danach wurde sie dann mit Sand wieder aufgefüllt, der das Wasser filterte. Zuvor war in der Mitte der Grube aber noch der Brunnenschacht (der Pozzali) nach oben gemauert worden. Seine Backsteine waren wasserdurchlässig, so dass sich das Wasser in seinem Inneren sammeln und geschöpft werden konnte.
Rund um den Brunnen wurden die Pilella aufgefallen. Steinerne Schachtdeckel, die die sich darunter befindlichen Sickergruben abdecken.
Durch sie gelangte das Regenwasser in die Sandgrube wurde gefiltert und kam schließlich von dort in den Brunnenschacht.
Was man heute von den Zisternen noch sieht, das sind die Brunnenbecken, die sich über der Erde befinden. Über sie weiß Igor Scomparin, unser Tour Leader Venice einiges zu berichten.
Er macht zur Zeit eine Weiterbildung, deshalb konnten wir nicht, wie sonst üblich ein Online-Interview durchführen. Deshalb habe ich ihm meine Fragen per Whatsapp geschickt und er hat mir dann mit einer Sprachnachricht geantwortet.+

Raub von Byzanz – Die Brunnenbecken als Beutegut

Irgend jemand hat mir bereits vor Jahren erzählt, dass die Brunnenbecken aus Säulenkapitellen geraubter byzantinischer Säulen gemacht worden seien, ähnlich derer auf dem Markusplatz. Auch dazu hat Igor einiges zu sagen.

Katzen – die Jägerinnen des schwarzen Todes

Eventuell ist dir an den Brunnen ja noch eine weitere Kleinigkeit aufgefallen. Und zwar eine kleine Mulde an der Oberfläche des Sockels. Ob du es glaubst oder nicht, es ist tatsächlich ein Trinknapf.
Die Venezianer haben schon lange ein Herz für Tiere. Allerdings nicht für Hunde. Sondern für Katzen.
Im 15. Jahrhundert wütete die Pest in ganz Europa. Und vor allem auch in Venedig. Irgendwann fand man heraus, dass die Übertragung der Krankheit mit den Ratten zu tun haben musste. Heute weiß man, es sind ihre Flöhe.
Ratten gab es zuhauf in den Kanälen, denn der Müll wurde einfach ins Wasser entsorgt. Deshalb wurden dann bewusst Katzen in der Stadt angesiedelt und die Näpfe an den Brunnen immer fleißig mit Wasser gefüllt, damit die Fellnasen etwas zum trinken hatten.
Eigentlich galt Venedig früher als saubere Stadt. Denn zweimal am Tag wurde das Wasser in den Kanälen durch die Gezeiten ausgetauscht und der Unrat ins Meer gespült.

Wasser – ein knappes Gut.

Im 16. Jahrhundert standen einem Venezianer ca 5 – 5,5 l Wasser zur Verfügung. Heute sind es zwischen 300 und 350 Liter. Du siehst damals war Trinkwasser ein rares Gut. Deshalb mussten die Brunnen damals zusätzlich gefüllt werden.
Dazu wurde wurde von den Venezianern eigens ein Kanal angelegt. Die „Seriola“ leitete das Wasser des Flusses Brenta bis vor die Tore der Stadt.
Von dort wurde das kostbare Nass mit Booten (den Barchi) weiter transportiert und über die Stadt verteilt.
Die Kanäle in der Lagune sind meist nicht sehr tief. Manchmal nur einige Zentimeter. Und oft sind sie auch sehr eng, so dass die Boote äußerst wendig sein müssen und nur wenig Tiefgang haben dürfen.
Auch im Innenhof des Dogenpalasts findest du zwei prachtvolle Brunnen über ihren dazugehörigen Zisternen. Heute sind sie ein Teil des Museums, früher aber waren sie frei zugänglich und versorgten die Bewohner der Umgebung mit Wasser.

Wasser aus der Leitung

Irgend wann stand man dann in der Stadt vor der Wahl, das Zisternensystem zu sanieren oder ein Aquädukt zur Wasserversorgung zu bauen. Vor allem die Wasserqualität der Zisternen in den Privathäusern erwies sich als unzureichend, so dass der Wasserleitung vom Festland der Vorzug gegeben wurde.
Heute sind die Brunnen ein wichtiges Wahrzeichen der Stadt und ein lohnendes Fotomotiv.

Wichtige Links:

Podcast Erlebnis Venedig:
By http://www.fotoerlebnis.eu & http:://www.schoder-media.de
Umgeben von Wasser und doch nix zu trinken – die Brunnen von Venedig

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